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Was ist ein Stimmfeld?

VidiVoice Grundwissen

Historisches
Die Idee, "die Stimmdynamik in Abhängigkeit von der Stimmtonhöhe in einem Koordinatensystem grafisch darzustellen", stammt vom französischem Phoniater J. Calvet (ca. 1950). In den folgenden zwei Jahrzehnten fand sie weniger Beachtung, bis Damste (1970) darauf hinwies, dass sich diese Art der Stimmdarstellung hervorragend dazu eigen würde, sängerische Leistungen darzustellen. Etwa zur gleichen Zeit und wahrscheinlich unabhängig von Europa entwickelte eine amerikanische Forschergruppe um Coleman die Stimmfeldmessung und nannte sie „fundamental frequenzy sound pressure level profil" [Schultz-Coulon, Hans-Jürgen: Stimmfeldmessung, Berlin (ua), 1990]

Bedeutung der Stimmfeldmessung
Mittlerweile ist die Stimmfeldmessung zur wichtigsten Untersuchungsmethode geworden, wenn es darum geht, Stimmleistungen "einer quantitativen und qualitativen Bewertung" zu unterziehen
[Schneider, Berit; Bigenzahn, Wolfgang: Stimmdiagnostik, Wien, 2007]. Da sie unter genau definierten Vorgaben durchgeführt werden muss, führt sie unabhängig von der durchführenden Person zu objektiven und vergleichbaren Messergebnissen. Es können damit gleichermaßen die Stimmleistungen gesunder Stimmen sowie die verminderten Stimmleistungen bei funktionellen und organischen Störungen der Stimme dargestellt werden.

In der Phoniatrie wird das Ergebnis von Stimmfeldmessungen als wesentlicher Teil für die Erstellung der Befunde bei kranken Stimmen gesehen. Da sie einfach zu handhaben ist, ist sie hervorragend geeignet auch in der Praxis der Logopäd/inn/en, Sprechtrainer/innen, Stimmtrainer/innen, Stimmbildner/innen und Gesangspädagog/inn/en verwendet zu werden. Von der Berufsausbildung her gesehen kann sie im Ausbildungsbereich aller Sprechberufe (Schauspieler/innen, Sprecher, Pädagog/inn/en, Verkaufspersonal, Telefondienste, Kundenbetreuung und -beratung, Rechtsanwälte, Seelsorgdienste, uam) zum Einsatz kommen.

Die Stimmfeldmessung ist an die Einhaltung einiger verbindlicher Vorgaben gebunden:

  • Raum mit Wohnzimmerschalleigenschaften

  • Grundschallpegel nicht über 40dB

  • Mikrofonabstand 30 cm vor der Mundöffnung

  • Verwendung des Vokals „a“

  • bei händischen Messungen eine Tonhaltedauer von mindestens zwei Sekunden.


Vorgangsweise bei einer Messung
In einem Koordinatensystem werden auf der x-Achse die Tonhöhen [Hertz] gemäß der Klaviertastatur und auf der Y-Achse die Lautstärke [dB] eingetragen. Für jede Stimmgebung wird je ein Wert für die Tonhöhe und ein Wert für die Lautstärke in dem Koordinatensystem eingetragen.

1) Ermitteln der Sprechstimmwerte: Reihenzählen von 21 aufwärts

  • so leise als möglich (nicht flüstern)

  • normale Sprechlautstärke

  • Vortragsstimme

  • Rufstimme


2) Ermittteln der Singstimmwerte:
Ausgangston: ein Ton der etwa 5 Halbtöne über der Sprechstimmlage (normale Sprechlautstärke) liegt

  • so leise als möglich in Tonschritten nach oben singen

  • so leise als möglich in Tonschritten nach unten singen

  • so laut als möglich in Tonschritten nach unten singen

  • so laut als möglich in Tonschritten nach oben singen

Mit der Software VidiVoice-Stimmfeld nimmt die Erstellung eines Stimmfeldes dank der klaren Progammoberfläche und der einfachen Handhabung nur wenige Minuten in Anspruch, zeigt aber deutlich stimmliche Vorzüge und/oder auch Defizite der untersuchten Person auf.
  

 

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Folgende Untersuchungsergebnisse können u.a. als "oder/und"-Auffälligkeiten auftreten (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Sprechstimme kann nicht leise genug geführt werden

  • Sprechstimme oder/und Rufstimme kann/können nicht ausreichend gesteigert werden

  • Sprechstimmlage liegt in einer oder in mehreren der durchgeführten  Aufnahmen von unterschiedlichen Sprechsituationen (leises, indifferentes, lautes Sprechen und Rufstimme) außerhalb der Normwerte

  • Sprechstimme wird in den einzelnen Sprechsituationen in zu hohe Lagen geführt

  • Sprechmelodie ist eingeschränkt

  • Singstimme kann nicht leise geführt werden

  • Singstimme ist zu gering steigerungsfähig

  • Singstimme erreicht keine ausreichende tiefe Lage

  • Singstimme kann nicht ausreichend oder überhaupt nicht in höhere Lagen geführt werden

  • maximale Stimmdynamik liegt unterhalb des Normwertes

  • durchschnittliche Stimmdynamik unterhalb der Normwerte

  • eine (oder mehrere) dargestellte Sprechsituation(en) liegen außerhalb des Singstimmfeldes

  • Singstimmprofile zeigen einen bzw. Singstimmfeld zeigt auffällige Verformungen


 
 
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